Diese Veranstaltung im Neustadter Saalbau war ein besonderes Ereignis. Zur Aufführung kam das Oratorium "Die Seligen" von Joseph Haas. Die Mitwirkenden waren die "Liedertafel", der Bass-Bariton Manfred Schenk von der Staatsoper Hamburg und das Philharmonische Orchester der Pfalz. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Musikdirektor Artur Reinhard. Insgesamt befanden sich über 200 Sängerinnen und Sänger auf der Bühne.

Es war ein musikalisches Erlebnis, das die Presse in den höchsten Tönen lobte. Der gemischte Chor der Liedertafel wurde als "Spitzenchor" eingestuft. Die Weinkehlchen konnten stolz sein, dass sie bei dieser hochkarätigen Jubiläumsaufführung mitwirken durften und auch die erforderliche Leistung brachten.

Am 27. November 1967 wurde Hans Moster das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen, eine Auszeichnung, die sein hohes und überdurchschnittliches Wirken in mehreren kulturellen Bereichen verdient.

Zwei Jahrzehnte lang haben Hunderte gut ausgebildete Kinder vielen Menschen aus nah und fern mit ihrem Gesang Freude geschenkt, gleich ob unter freiem Himmel, in Konzertsälen, auf Schallplatte, im Rundfunk oder Fernsehen. Der Chor konnte sich einen exzellenten Ruf erwerben. Er wurde mit den höchsten Prädikaten ausgezeichnet. So wurden die Weinkehlchen beispielsweise "die besten Botschafter der Pfalz" genannt. Das runde Jubiläum musste gefeiert werden und wie nicht anders zu erwarten, bot der Saalbau zu diesem festlichen Anlass den äußeren Rahmen. Das schönste Geburtstagsgeschenk machte der Südwestfunk, der "Haussender" der Pfälzer Weinkehlchen, mit einem musikalisch hochstehenden Festkonzert. Als Solisten konnten Erika Köth und Gottlob Frick, zwei künstlerische Persönlichkeiten, gewonnen werden.

Der Saalbau war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Unter den Gästen befanden sich viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Eine besondere Note erhielt das Konzert durch die Anwesenheit von Prinz Louis Ferdinand von Preußen, der eigens zu diesem Festabend angereist war.

Der erste Teil des Programms leitete die Mendelssohn Bartholdy Ouvertüre zum Märchen von der "Schönen Melusine" ein. Werke von Nikolai, Lortzing und Humperdink folgten. Im zweiten Teil sangen die beiden Solisten und die Weinkehlchen schöne Volksweisen. Die Weinkehlchen hatten darüber hinaus eine besondere Überraschung bereit, indem sie die Komposition von Prinz Louis Ferdinand "Der Abendsegen" uraufführten. Der Prinz hatte das Lied dem Chor eigens gewidmet. "Die Blümelein sie schlafen" wurde mit einem Solo der damals achtjährigen Elke Richter vorgetragen. Für das Publikum war die helle Kinderstimme ein besonderer Genuss. Ein von Herzen kommender und lang anhaltender Beifall war der Dank an alle, die dieses Festkonzert mitgestaltet hatten.

Es gab aber noch ein "Danach", denn das Weinkehlchenhaus erwartete noch eine Reihe von Gästen. Eingeladen war auch Prinz Louis Ferdinand. Von seinem Chauffeur ließ er den Wagen am Saalbau vorfahren. Liane Kloss und Hans Moster bat er darin Platz zu nehmen. Sie sollten ihm den Weg zeigen. Hans Moster saß seines Beinleidens wegen auf dem Beifahrersitz. Die Anspannung war von ihm gewichen und in dieser Gemütsfassung drehte er sich um und sagte: "So, Kaiserliche Hoheit, jetzt mache mer die Hack´ raus!" In Liane Kloss gewandt fragte Prinz Louis Ferdinand: "Was meinte der Herr Chorleiter eben?" Ihre Antwort: "Nach diesem schönen Abend wollen wir zum Ausklang noch etwas gemütlich zusammensein". Prinz Louis Ferdinand, der Pfälzischen Sprache nicht mächtig, nickte zustimmend und auf ging es in das Weinkehlchenhaus.

Die Weinkehlchen gestalteten auch das rogramm bei der Literarischen Weinstunde der Weinbruderschaft der Pfalz im Neustadter Saalbau mit. Leopold Reitz vollendete an diesem Tag sein 80. Lebensjahr. In Anerkennung seiner Verdienste um den Wein wurde ihm der Deutsche Weinkulturpreis mit der goldenen Traube überreicht.

Die Teilnahme am Winzerfestumzug war ebenso selbstverständlich für den Chor.

Zu Ehren des Gründers und ersten Ordensmeisters der Weinbruderschaft der Pfalz, Leopold Reitz, kommen die Weinbrüder mit Gästen alljährlich am Johannistag zur Literarischen Weinstunde zusammen. Den Termin wählte man deshalb, weil Leopold Reitz an einem Johannistag, dem 24.6.1889, geboren wurde.

Oft waren die Weinkehlchen dabei, um ihm ihre Geburtstagsgrüße zu entbieten. Leopold Reitz, der große Gönner und Förderer der Weinkehlchen, konnte nicht ahnen, dass er zum letzten Mal an einer Literarischen Weinstunde die klingenden Wünsche der Kinderschar entgegennehmen würde.

Über die Weinkehlchen sagte er einmal: "Ich selber habe viele Erinnerungen daran, als ich mit den kleinen Sängern auf dem Podium stand, um einige einstimmende Worte für ihre Lieder zu finden, als ich die begeisternde Wirkung auf die Zuhörer sah, wenn da und dort ein weißes Taschentuch gezückt wurde, um die Rührung abzuwischen."

"Eine Begegnung der Superlative darf man mit Fug und Recht die Freundschaft nennen, die den Kinderchor Pfälzer Weinkehlchen und die feuchtfröhlichen Neustadter zusammen mit OB Dr. Brix in die ostenglische Partnerstadt führte". So schrieb damals DIE RHEINPFALZ. Am 6. April 1972 legten die FFN in knapp drei Stunden auf der Südseite der Lincolner Kathedrale "den nördlichsten Wingert Europas" an. Die Weinkehlchen sangen dabei und man feierte ein originelles, fröhliches Fest. Noch am gleichen Tag gab der Kinderchor in der Lincolner Kathedrale ein Konzert, bei dem er im Sturm die Herzen der Zuhörer gewann. Der Chor bot über zwanzig Vorträge, alle auswendig, dar. Ein unvergesslicher Höhepunkt war das Lied "Nehmt Abschied Brüder", das zum Schluss gesungen wurde.

Ihr 25jähriges Jubiläum feierten die Weinkehlchen im Neustadter Saalbau. Oskar Bischoff als Vorsitzender konnte etwa 800 Besucher begrüßen. Dabei wies er auf das überaus große Repertoire der Weinkehlchen hin. Die Kinder meisterten über 100 deutsche und ausländische Weisen. Oratorien und Kantaten kämen noch hinzu. In der Tat eine Leistung, die hoch anzuerkennen ist. Elsbeth Janda und Klaus Rothenbücher fesselten die Besucher mit ihren Zwischentexten, mit denen sie die Geschichte des Kinderchores vortrugen.

Natürlich kamen zu dem Fest viele "Ehemalige", die bewiesen, dass sie das Singen nicht verlernt hatten.