Der Bellemer Heiner, alias August Heinrich aus Bellheim, wurde achzig Jahre alt. Die Geburtstagsfeier zu seinen Ehren wurde von der Weinbruderschaft der Pfalz im Neustadter Saalbau ausgerichtet.

Es war ein rauschendes Fest, die Zahl der Gratulanten war groß. Für die Weinkehlchen war es selbstverständlich, dem pfälzischen Mundartdichter und Vortragskünstler ganz besonderer Art, ihre Referenz zu erweisen.

Die kleinen Sängerinnen und Sänger proben alljährlich Weihnachtsweisen. Die alten, schlichten und doch so schönen volkstümlichen, weihnachtlichen Melodien öffneten die Herzen der Zuhörer.

Der Kinderchor war am ersten Weihnachtsfeiertag 1962 über UKW I und die Mittelwelle des Südwestfunks mit einer weihnachtlichen Liederfolge zu hören.

Oft standen Hans Moster sowie seine Helferinnen und Helfer vor großen Problemen. So zogen die Weinkehlchen von Proberaum zu Proberaum. Sie übten in der Turnhalle, dem früheren Heim der Liedertafel in der Turmstraße, im Humanistischen Gymnasium (heute VHS), in der Ostschule und der früheren Gaststätte "Fröhliche Pfalz". Eine ständige Bleibe gab es nicht. Mit Schreiben vom 5.12.1963 wandte Hans Moster sich an Oberbürgermeister Edwin Hartmann:

"[...] Umso erfreulicher ist es, dass sich einige Idealisten und Freunde des Kinderchors zusammenfanden, um den Weinkehlchen als Jubiläumsgeschenk ein Heim zu erstellen. Dieses würde umgehend das Problem der musischen und kameradschaftlichen Erziehung der Kinder lösen. Das Heim soll äußerlich dem Stil der städtischen Weinhäuschen angepasst werden, jedoch eine solide, repräsentative Ausgestaltung erhalten [...]

Wir hätten nun heute, vor Beginn unseres Jubiläumsjahres an die Stadtväter die große Bitte, uns zur Verwirklichung dieser schönen Sache ein entsprechendes Grundstück zur Verfügung zu stellen. Als geeignetsten Platz erachten wir das Vorgelände zur Rollschuhbahn an der Wiesenstraße [...]"

Das Pfälzer Tageblatt schrieb unter dem 23.1.1964:

"Unter dem Druck der gegebenen Verhältnisse hat der Chorleiter jetzt bis auf weiteres alle Proben und Termine bei Funk, Fernsehen und anderen Veranstaltern abgesagt. Es hieße Wasser in den Speyerbach tragen, wollte man die großen Verdienste des Chores um Neustadt und die ganze Pfalz an dieser Stelle besonders herausstellen. Die Kinder sind ein Stück bestes Neustadt, ein Klangkörper, auf den wir stolz sein können..."

Hans Moster war "fast" dabei, seine erfolgreiche Arbeit aufzugeben, weil die erforderlichen Voraussetzungen für eine entsprechende Chorarbeit schon so lange fehlten. Es waren viele große und kleine Schwierigkeiten, die die damalige "Weinkehlchen-Krise" auslösten. Die Stadt konnte sich aus planerischen Gründen nicht entschließen, den ins Auge gefassten Geländeteil an der Rollschuhbahn bereitzustellen. Doch wie heißt es so schön? Wenn man meint es geht nicht mehr, kommt von irgendwo in Lichtlein her!

Am 19.2.1964 konnte das Pfälzer Tageblatt berichten: "Krise überwunden!" In kurzer Zeit konnte ein privates Grundstück an der Festplatzstraße, in Nähe der Speyerbachbrücke zum Festplatz gefunden werden. Die Lage des Grundstückes entsprach allen Erwartungen. Der Neustadter Diplom-Kaufmann Reinhold Neubauer-Pfähler war den Weinkehlchen zu Hilfe gekommen und gestattete unter Verzicht auf irgendwelche Zahlungen, darauf das Weinkehlchenhaus zu errichten. Die Vertragsverhandlungen führte auf Weinkehlchen-Seite "Reblauskommissar" Hermann Conrad, zu dieser Zeit Vorsitzender und Motor des Freundeskreises, der sich insgesamt hohe Verdienste um den Chor erwarb.

das erste Weink...
das erste Weinkehlchenhaus
das erste Weink...
das erste Weinkehlchenhaus
das erste Weink...
das erste Weinkehlchenhaus
das erste Weink...
das erste Weinkehlchenhaus
das erste Weink...
das erste Weinkehlchenhaus
das erste Weink...
das erste Weinkehlchenhaus

Nach Erledigung der Formalitäten ging es rasch zur Tat. Das erforderliche Stahlskelett ließ Oberbürgermeister Erwin Schmidt in seiner Neustadter Stahlschalungsfirma konstruieren sowie an Ort und Stelle auch aufstellen. Nachdem diese Leistung größtenteils unentgeltlich erfolgte, war ein gewaltiger Schritt nach vorne getan.

Das Bauvorhaben wurde in rasantem Tempo vorangetrieben.Möglich war dies allerdings nur durch die großzügige Spendenbereitschaft und die Mobilisierung aller Kräfte. Viele legten Hand an dem Bau an, halfen wo sie nur konnten. Das für die Zukunft so wichtige Werk wurde mit hohen Anstrengungen vollendet.

Jubiläumskonzert 1964Zum 15. Geburtstag der Weinkehlchen war dies das schönste Geschenk. Die alten Sorgen und Nöte waren vergessen. Chorleitung und Chor blickten wieder positiv in die Zukunft. Das Jubiläumsfest konnte Anfang September unbeschwert und fröhlich begangen werden. Das Jubiläumskonzert zusammen mit dem Unterhaltungsorchester des SWF unter der Leitung von Emmerich Smola und der Festball waren großartige Erfolge. Dargeboten wurde u.a. die herbstliche Kinderkantate "Fröhliche Zeit", Musik bzw. Bearbeitung von Ernst Kochan, Liedtexte von Kurt Kölsch, Zwischentexte von Leopold Reitz.

 

Hans Moster war freudig überrascht, als sich bei ihm die Staatskanzlei des Landes Rheinland-Pfalz meldete und ihm ihr Anliegen unterbreitete: "Die Pfälzer Weinkehlchen sind auserwählt, auf dem Rheindampfer "Loreley" vor der englischen Königin und Prinz Philipp zu singen.

 

Der 20. Mai 1965 war ein besonderer Tag. Mit einem Bus fuhren 52 Weinkehlchen um 6 Uhr von Neustadt nach Koblenz, wo der Chor um 11 Uhr an Bord ging. Die Fahrt führte nach Kaub und sodann nach Bacharach. Der Chor hatte freie Wahl zu bestimmen, welche Lieder zu Ehren der Königin gesungen werden. Das machte so richtig Spaß, denn man konnte aus dem reichhaltigen Repertoire die schönsten Lieder darbieten. Nach dem Protokoll sollte es einen Auftritt geben.

 

Hans Moster - und dies entsprach so ganz seinem Naturell - nahm dies jedoch etwas lockerer. Die Pfälzer Weinkehlchen gefielen und so kam es zu mehr Einsätzen als geplant. Ein für das Protokoll Verantwortlicher hatte sich mit Zuwinken um eine Kürzung der Liedbeiträge bemüht, doch Hans Moster war so richtig in seinem Element.

 

Im August 1965 besuchte Bundeskanzler Professor Ludwig Erhard - Vater des Wirtschaftswunders und Symbolfigur der 50er Jahre - Neustadt an der Weinstraße. Bei strahlendem Sonnenschein wurde er im Rosengarten empfangen, wo ihm die Weinkehlchen einige Lieder sangen.